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07.02.2012 11:50 Alter: 103 Tage

Wo Lernen praktisch wird...


Der Bereich Nawi beschäftigt sich mit dem Thema „Von Sinneserfahrung zum Messen“. Hier testet Michelle (l.) an Hilal, ob man blind spüren kann, von wievielen Buntstiftminen man gepiekt wird.

Fotos: Heidi Sturm ("AZ")

Modellbahn

REALSCHULE PLUS - Einblick in Alltag zeigt, dass Unterricht Spaß machen kann

07.02.2012 Allg. Zeitung
Von Heidi Sturm

Kickern im Spieleraum und im Werkraum Modelleisenbahn fahren, Zirkus machen und in einer Band auf die Pauke hauen, bei einer Rallye durch die Bücherei flitzen und im Medienraum Bilder am PC bearbeiten: Der „Samstags-Stundenplan“ beim Tag der offenen Tür an der Realschule plus erinnerte fast an ein unterhaltsames Sommerfest-Programm. Dennoch handelte es sich um einen Informationstag, der Einblick in das ganz normale Schulleben gab und eindrucksvoll unterstrich, dass Lernen auch mit praktischen Ansätzen und sogar spielerisch mit ganz viel Spaß erfolgen kann.

Gemeinschaft erleben, Verantwortung lernen

So erleben die Schüler etwa in Projekten wie Theater, Basketball, Töpfern oder Klettern Spaß, Gemeinschaft, Sportsgeist und Verantwortung. Sehenswerte Pyramiden präsentierten die Zirkusschüler, die Musiker ließen es dann so richtig durch die ganze Schule krachen. Ein Schwerpunkt der Realschule plus sind die Wahlpflichtfächer: Statt der zweiten Fremdsprache können berufsorientierte Fächer gewählt werden. Unter dem Schwerpunkt „Medien und Kunst“ beschäftigten sich die Siebtklässler mit „3D zum Anfassen“ - wie man mit der „Anaglyphentechnik“ dreidimensionale Bilder herstellt. Bei der Erarbeitung des Themas ging es Fachlehrer Uwe Dalmdarum, dass diese Bilder auch mit einfachen Mitteln gefertigt werden konnten: Die für den 3D-Effekt benötigten Halbbilder wurden mit Kamera oder Handy erstellt, die Verschiebung des Aufnahmestandpunkts um den Augenabstand erfolgte mit Anschlagbrett. Selbst bei den ersten Versuchen ergab sich eine verblüffende Tiefenwirkung zwischen den fast greifbaren Bäumen im Vordergrund und der dahinter liegenden Schule. Noch spektakulärer waren die Effekte bei den Fotos, die Dalm mit professionellem Aufwand gestaltet hatte: Bei einem Nachtfalter, aus sieben Millimetern Entfernung und mit Retrotechnik im Maßstab von 3:1, konnte man auf der Leinwand plastisch die beiden Zähne erkennen.

Im Werkraum waren auch die „großen Kinder“ begeistert, denn hier bahnte sich ein Modellzug den Weg vorbei an kleinen Häusern und durch einen Styroportunnel. „Der geht in die Schule und spielt Eisenbahn“ - solche Frotzeleien bekommt Heinz-Dieter Wandel öfter zu hören. Gespielt wird jedoch nur am Tag der offenen Tür, ansonsten stehen Landschaftsgestaltung, Häuserbau oder eine Brückenkonstruktion nach selbst gefertigten Plänen auf dem Stundenplan. Geschult werden dabei Feinmotorik und Konzentration, Teamarbeit, Elektrotechnik aber auch Gestalten oder Farbenlehre. Zum Staunen waren die Experimente von optischen Täuschungen und Kerzenaufzug bis zu Unterstufen-Nawi-Themen: Da wurde unter dem Motto „Von Sinneserfahrungen zum Messen“ mit Augenbinde die Blindenschrift auf Medikamentenverpackungen ertastet oder blind erspürt, ob eine oder zwei Buntstiftspitzen in den Arm pieksten.

Wermutstropfen: Nur wenige Eltern hatten den Tag der offenen Tür genutzt. „Wahrscheinlich haben sich die meisten schon im Vorfeld entschieden“, vermutete Schulleiter Heribert Bender.